Re: Vor dem großem Regen

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Lieber Peter,
fein, dass Du noch einmal dort warst und teilweise nachgesammelt hast. Auch sehr gut, dass Du dich hinters Mikroskop begeben hast. Zu Aufnahmen 5-6: die Sporenform ist viel zu rundlich für Hypholoma, die passt eher für Gymnopilus, versuch noch einmal ganz genau zu schauen mit der Ölimmersion, vielleicht sieht du doch leicht raue Sporen und sie sollten ein wenig gelblich sein, das kann ich hier nicht gut erkennen, aber Farben und Bildschirme haben so ihre Tücken.

...und weil sie so schön ist, noch eine typische Trametopsis cervina, fotografiert von Thomas Bardorf.
LG
Irmgard

Re: Vor dem großem Regen

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Lieber Peter, liebe Foristen, deine Pilze sind wohlbehalten hier angekommen, Peter - und ja: sie stinken echt das ganze Zimmer voll. Der Grund scheint mir zu sein, dass sie zu lange in frischem Zustand herumgelegen haben, das sieht man auch im Mikroskop. Aber die Identifikation war in dem Fall zum Glück einfach: Es ist Inocybe pisicodora.
Die Sporen sind überwiegend sehr groß, bis über 18 µm, und sehr breit (bis über 8,5 µm), die Zystiden aber recht kurz und wenig gewunden. Damit scheiden bongardii und cervicolor aus. Und was anderes kommt eh nicht in Frage.
Liebe Grüße, Ditte
P.S. Uff und jetzt weg mit diesen Stinkern...!!!

Re: Vor dem großem Regen

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iebe Ditte, danke für deine einfühlsamen Worte, bei dem kriegst Schnappatmung, Uff
der markante Geruch war von Anfang an da. Am selben Tag habe ich einen Hut zum Sporenabwurf eingeladen, unter Glas. Bis in der Früh hat das Stinkerchen ganze Arbeit geleistet, durch das Glas, eher aber durch den darunterliegenden Zettel hindurch, echt Pfuh. Den Rest habe erfreulicher Weise am Balkon liegend vergessen.

In deiner HP führst du I. pisciodora als Art
in der Mykobank lese ich Current Name: I. bongardii var. pisciodora,
Im Index Fungorum, Current Name: Inocybe bongardii (Weinm.) Quél., Mém. Soc. Émul. Montbéliard, Sér. 2 5: 319 (1872)
Synonymy:
Agaricus bongardii Weinm., Hym. à Gast. Imp. Ross. Obs. (Petropoli): 190 (1836)
Inocybe bongardii (Weinm.) Quél., Mém. Soc. Émul. Montbéliard, Sér. 2 5: 319 (1872) var. bongardii
Inocybe bongardii var. pisciodora (Donadini & Riousset) Kuyper, Persoonia, Suppl. 3: 41 (1986)
Inocybe pisciodora Donadini & Riousset, Docums Mycol. 5(no. 20): 5 (1975)

Noch einen schnellen Blick in die austria.mykodata.net,
3701. Inocybe bongardii (Weinm.) Quél. var. pisciodora (Donadini & Riousset) Kuyper
Duftender Risspilz (Fischgeruch-Varietät)

Danke, dass du dir den Fund unters Mikro geschoben hast. Cervicolor hätte dem Geruch, der in der Pds, Breitenbach/Kränzlin, Bd. 5 beschriebenen wird, entsprochen. Gerüche halt, ob obstig, fischig oder erdigmodrig sind eher kein hartes Kriterium.
Art, var. oder syn, wie soll ich das Pilzerl eintragen, in die Pilzliste?

LG
Peter
Zuletzt geändert von Habicht am 10.11.2018, 18:47, insgesamt 1-mal geändert.

Re: Vor dem großem Regen

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Lieber Peter, was für ein Wirrwarr, kann ich da nur sagen! Da hinken die Datenbanken mal wieder der Wissenschaft hinterher....
Herzlich, Ditte
P.S. Für mich war der Geruch eine Mischung aus stark modrig mit einer stechenden intensiven, sehr unangenehmen Duftnote.

Re: Vor dem großem Regen

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Nachtrag: Die Datenbanken können in diesem wie in vielen anderen aktuellen Fällen natürlich nichts dafür, dass sie hinterherhinken, weil entsprechendes Wissen einfach noch nicht publiziert wurde! Dass sie sich gegenseitig widersprechen (Mycobank und Index Fungorum) ist allerdings seltsam.

Re: Vor dem großem Regen

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Liebe Forenleute,

Pilze und Nomenklatur:

Es gibt drei große Repositorien, die vom Namenskommitee des Codes für die Registrierung neuer Pilztaxa und Typen zugelassen sind: Fungal Names, Mycobank und Index Fungorum.

" The decision by the Nomenclature Committee for Fungi to appoint (Art. F.5.3) Fungal Names, Index Fungorum, and MycoBank as repositories (Redhead & Norvell in Taxon 62: 173–174. 2013) was ratified (Art. F.5.3) by the 10th International Mycological Congress (May in Taxon 66: 484. 2017). "

Diese drei Datenbanken sollten sich halbjährlich gegenseitig abgleichen (so war es angedacht), was aber nicht immer einwandfrei funktioniert, bzw. gibt es halt auch unterschiedliche Meinungen in der Community, daher gibt es Auffassungsunterschiede auch in den großen DBs. Auch ist es bisweilen sinnvoll, mal etwas abzuwarten, ob sich die Auffassung einer Publikation durchsetzt bzw. zu prüfen, ob die in der Publikation verwendete Methode auch stichhaltige Ergebnisse liefern kann und ob die verwendete phylogenetische Berechnung in Ordnung ist. Mycobank wird derzeit von Konstanze Bensch sehr gut betreut, wenn man auf Verbesserungsmöglichkeiten aufmerksam macht und diese schlüssig darstellt, werden sie übernommen. Auch Paul Kirk vom Index Fungorum versucht einigermaßen aktuell zu sein, er hat jedoch derzeit zuwenig Zeit z.B. Species Fungorum mit der Intensität zu betreuen, die notwendig wäre, um alle Neuerungen abdecken zu können (Species Fungorum ist eine Subdatenbank des Index Fungorum, die sich bemüht, die Synonymie zu erfassen). Alle drei Repositorien sind in erster Linie eben Repositorien, d.h. Plätze, wo die Taxa hinterlegt werden, damit alle wissen, welche Namen schon verwendet wurden und damit Doppelvergaben desselben Namens vermieden werden können. In Mycobank ist es z.B. so, dass die Namen unter Umständen nicht gleich sichtbar sind, wenn zwar das Taxon schon dort hinterlegt ist, jedoch die Publikation noch nicht erschienen ist, dann kann zwar der Namen nicht doppelt vergeben werden, denn im Hintergrund ist er ja schon eingespeichert, aber für die Allgemeinheit ist er nicht sichtbar, sondern wird erst nach Erscheinen der Publikation freigegeben. Die Freigabe sollte durch denjenigen erfolgen, der den Namen hinterlegt hat. Das sind entweder die Autoren der Art selbst, oder Herausgeber von Zeitschriften. Über Fungal Names kann ich nichts sagen, denn das habe ich bisher noch nicht verwendet. Ein weiterer Gesichtspunkt der drei Repositorien ist es, dass sie keine Wertungen vornehmen, sondern eben einfach Verzeichnisse aller (un)gültigen Namen sind. Das bedeutet, dass die Vollständigkeit der Synonymie kein primäres Anliegen ist. Und bei der auch bei großen Institutionen wie KEW oder CBS partiell prekären finanziellen Situation ist es leider nicht möglich, weltweit alle Publikationen sofort zu screenen und einzugeben. Um für die Datenbanken die Eingabe zu erleichtern haben viele Zeitschriften mittlerweile ja ein Keyword System aus dem gleich ersichtlich ist, ob und wie viele Taxa in der jeweiligen Publikation beschrieben werden.
Fazit, auch in diesen großen Datenbanken gibt es Fehler, man kann die Einträge durchaus prüfen und hinterfragen, und man kann zu deren Verbesserung beitragen.
Viele der anderen kleineren DB richten sich dann bis zu einem gewissen Grad nach den großen und hinken naturgemäß ein wenig nach. Sie versuchen aber auch, selber Fehler zu vermeiden oder zu verbessern, arbeiten oft mit Spezialisten zusammen und erhalten dadurch Wissen, das anderen DBs wieder nicht zur Verfügung steht.
Ideal wäre es natürlich, wenn es nur eine große internationale DB gäbe, was auch bei einem der Nomenklatur-Kongresse zu erreichen versucht wurde, aber eben an diversen Befindlichkeiten scheiterte, daher gibt es drei. Andererseits ist damit auch eine gewisse Absicherung gegeben, falls eine der drei DBs davon mal ausfällt.

LG
Irmgard

Re: Vor dem großem Regen

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Liebe Irmgard, ganz herzlichen Dank für diese so aufwendige, informative und die Umstände klärende Antwort!
Angesichts der vielen vielen Änderungen, die sich derzeit aufgrund von DNA-Untersuchungen in so vielen Gattungen ergeben, haben die Verantwortlichen für die Datenbanken wahrlich alle Hände voll zu tun. Kein Wunder also, wenn sie zuweilen nicht nachkommen. Und außerdem sind eben viele Erkenntnisse noch gar nicht veröffentlicht, die Datenbanken können sie also auch nicht einarbeiten.

Liebe sonntägliche Grüsse an dich und alle Foristen, Ditte

Re: Vor dem großem Regen

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Liebe Ditte,
stechend intensiv mit einer sehr unangenehmen Komponente beschreibt den Geruch sehr gut, der modrige Aspekt hat sich erst am Balkon entwickelt. Unter Inocybe pisciodora werde ich ihn in die >Pilzliste Funga-Austria< eintragen.

Liebe Irmgard,
danke für den interessanten Einblick hinter die Kulissen der beiden Datenbanken, wieder etwas dazugelernt.

Zu Hydnellum scrobiculatum habe ich zwar in einem eigenen >Thread< geschrieben, der hier ist aktueller. Den Faden spinne ich daher hier zu Ende. Oder weiter, der Pilz dreht mir eine lange Nase.

Im Zeitraffer, den ersten FK habe ich im August gefunden,

1)
Anfang September noch immer keine Ähnlichkeit mit H.s., bevor ich nix in der Hand habe, eingesackt,

2)
Irmgard hat sich anlässlich einer Arbeitswoche in St. Georgen am Walde, das Pilzchen hatte ich eingeschmuggelt, die Sporen angesehen. Ohne Zweifel ein Scrobi, der FK war wahrscheinlich ein junger,

3)
Makroskopischer Bauchfleck, des nervt. Den Fundort habe ich deswegen ein paar mal aufgesucht, in ~1,5 m Entfernung vom Erstfund konnte ich Mitte September drei neue Exemplare ausmachen. Zwei davon habe ich heute mitgenommen. Die bilden keine kleinen Hütchen aus, dafür nach oben ausgerichtete Stacheln,

4) 5)
Zwei Sporenabwürfe sind seit ein einigen Stunden in Arbeit, ein normaler und einer mit den nach oben gerichteten Stacheln nach unten. Beide liefern, mich interessiert mehr die Reaktion auf KOH im Dünnschnitt. Wenn die wieder negativ ausfällt stimmen meine Fund mit dem aktuellen Schlüssel von Petr Hrouda nicht 100% überein.

LG
Peter

Edit: Hyperlinks funktionieren hier nicht,
https://www.univie.ac.at/oemykges/pilzl ... a-austria/
https://www.univie.ac.at/oemykges/forum ... ?f=39&t=59

Re: Vor dem großem Regen

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Hallo Fories,

dank Irmgard hat mein angefragter Hydnellum einen Namen bekommen,

'Es ist Hydnellum ferrugineum, da passt der Habitus gut, die Sporenornamentation ist ein wenig zu rundlich dafür, aber sie darf offensichtlich auch so sein. Die ITS-Sequenz stimmt mit norwegischen, schottischen und nordamerikanischen Sequenzen überein'.

Mit dankbaren Grüßen,

Peter