Studie zu Hallimasch-Vergiftungen in Wisconsin

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Artikel: A 25-year analysis of Armillaria (honey mushroom) poisoning in Wisconsin
Autoren: R. Feldman, M. Audette, P.R. Leacock, J. Theobald. American Journal of Emergency Medicine 106: 62-68. DOI10.1016/j.ajem.2026.04.033

Dieser interessante Artikel hat zwar Hallimasch-Fälle in den USA untersucht. Die Informationen passen jedoch zu den uns bekannten Aspekten gut dazu.

Zusammenfassung:
Armillaria Arten (Hallimasch-Arten werden in den USA häufig gesammelt und gelten meist als essbar, sind jedoch mit sporadischen gastrointestinalen Erkrankungen assoziiert. Ziel des Artikels war die klinische Charakterisierung gemeldeter Armillaria‑Vergiftungsfälle am Wisconsin Poison Center (WPC) über einen Zeitraum von 25 Jahren.
Die Fälle wurden retrospektiv (2000–2025) aus der WPC‑Datenbank erfasst, und wo es möglich war, die hinter den Berichten stehende Bestimmung durch Mykologen bestätigt. Insgesamt wurden 18 Fälle untersucht, davon 50% mit Bestätigung durch Mykologen.
Alle Einnahmen traten zwischen Ende August und Mitte Oktober auf über ganz Wisconsin verstreut.
94% der Betroffenen waren Erwachsene (Medianalter 41,5 Jahre), In 55% der Fälle wurde gekocht verzehrt, in 16% roh; in 27 % war der Garstatus unbekannt. 83% entwickelten ausschließlich gastrointestinale Symptome (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen); 17% blieben asymptomatisch. Symptome traten auch nach dem Kochen auf.
Latenzzeit 0,25–7,5 Stunden (Median 3,5); Ende in 2–41 Stunden (Median 8,75); einzelne Fälle mit einer Latenzzeit von 6 Stunden können die Abgrenzung zu Amatoxin‑Syndromen erschweren!
28% suchten eine Notaufnahme auf; nur eine Person wurde kurzzeitig zur Symptomkontrolle stationär aufgenommen; kein Organversagen und keine Todesfälle. Ein Fall mit Halluzinationen durch Verwechslung mit psilocybinhaltigen Gymnopilus‑Arten konnte nicht ausgeschlossen werden; zwei ähnliche Fälle wurden nach Foto‑Begutachtung auch als Gymnopilus identifiziert.

Fazit: Armillaria kann also ein gastrointestinales Syndrom, meist früh beginnend, gelegentlich erst nach 6 Stunden trotz Kochens auslösen. Und natürlich sollten mögliche Doppelgänger diagnostisch bedacht werden: Gymnopilus (Neuropsychiatrie), Galerina (Amatoxine; verzögerte GI‑Symptome/Lebertoxizität), Cortinarius (Orellanin; Nierenversagen), muscarinhaltige Gattungen (cholinerges Syndrom) . Daher wird im Artikel eine frühzeitige Rücksprache mit Giftinformationszentren/Toxikologie empfohlen.

Hallimasche sind also, was ihren Verzehr anbelangt und wie wir ohnehin auch von österreichischen Fällen wissen, durchaus ambivalent, was bei der Pilzberatung entsprechend zu berücksichtigen ist.

LG
Irmgard